Mehr als Kopfschmerzen

Migräne ist nicht einfach starker Kopfschmerz. Das ist das Erste, was viele Betroffene sich wünschen, dass andere es verstehen — und das Erste, was ich klar benennen möchte. Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit einer eigenen Biologie, einem eigenen Verlauf und ganz anderen Behandlungsanforderungen als ein gewöhnlicher Spannungskopfschmerz. Wer unter Migräne leidet, kennt diesen Unterschied aus eigener Erfahrung — auch wenn er sich von außen manchmal nicht vermitteln lässt.

Was Migräne von anderen Kopfschmerzen unterscheidet

Ein Spannungskopfschmerz ist drückend, meist beidseitig, und lässt sich oft mit einem Schmerzmittel und etwas Ruhe in den Griff bekommen. Migräne ist anders: Die Attacken sind meist einseitig, pulsierend, mittelschwer bis schwer — und gehen häufig mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit einher. Körperliche Aktivität verstärkt den Schmerz. Manche Betroffenen erleben vor der eigentlichen Attacke Vorboten oder eine sogenannte Aura — visuelle oder sensorische Phänomene, die ankündigen, was kommt. Eine Attacke dauert typischerweise zwischen vier und 72 Stunden. Danach folgt oft eine Phase der Erschöpfung, als hätte der Körper etwas durchgestanden.

Migräne ist eine Erkrankung, die das Leben in erheblichem Maß einschränken kann — beruflich, sozial, in Beziehungen.

Wie verbreitet ist Migräne?

Migräne ist die häufigste schwere neurologische Erkrankung in Deutschland. Rund 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer sind betroffen — das entspricht etwa acht Millionen Menschen. Frauen erkranken häufiger, Männer werden dabei statistisch oft übersehen oder falsch eingeschätzt. Die Erkrankung tritt am häufigsten zwischen dem 30. und 45. Lebensjahr auf — also genau in der Lebensphase, in der berufliche und familiäre Belastungen besonders hoch sind. Gleichzeitig sucht nur eine Minderheit der Betroffenen aktiv Unterstützung, obwohl die Einschränkungen erheblich sind.

Was Psychotherapie leisten kann — und was nicht

Migräne ist eine neurologische Erkrankung. Psychotherapie heilt sie nicht und ersetzt keine medizinische Behandlung. Was sie leisten kann, ist gut untersucht und wissenschaftlich belegt: Der Verlauf der Erkrankung — Häufigkeit, Intensität und Dauer der Attacken — wird durch psychologische und lebensstilbezogene Faktoren wesentlich mitbestimmt. Stresserleben, Schlaf, der Umgang mit Auslösern und die Art, wie jemand mit Attacken umgeht, machen einen messbaren Unterschied. Genau hier setzt die Verhaltenstherapie an.

Kognitiv-verhaltenstherapeutisches Migränemanagement

In meiner Praxis setze ich das kognitiv-verhaltenstherapeutische Migränemanagement (MIMA) ein — ein strukturiertes, wissenschaftlich entwickeltes Behandlungsprogramm speziell für Menschen mit Migräne. Es wurde von Timo Klan und Eva Liesering-Latta entwickelt, ist als Therapiemanual publiziert und in einer randomisiert-kontrollierten Studie auf Wirksamkeit und Akzeptanz untersucht worden.

Das Programm umfasst sieben Themenblöcke, die modular aufgebaut sind und aufeinander aufbauen. Hinzu kommt ein Erstgespräch, in dem wir Deine Situation, die Attackengeschichte und deine Ziele besprechen.

Die sieben Sitzungen behandeln folgende Themen:
Der Einstieg legt die Grundlage: Wie entsteht Migräne? Welche Faktoren spielen bei Dir eine Rolle? Ein verständliches Erklärungsmodell ersetzt Hilflosigkeit durch Orientierung — das ist bereits therapeutisch wirksam. Dann geht es um die Attacke selbst: Wie verhalte ich mich während einer Attacke? Welche Strategien helfen, welche schaden langfristig? Im nächsten Schritt beschäftigen wir uns mit Triggern — den individuellen Auslösern von Attacken. Dabei geht es nicht nur darum, sie zu identifizieren, sondern auch um einen klugen Umgang: Wer jeden möglichen Auslöser meidet, schränkt sich zunehmend ein und macht sein Nervensystem nicht stabiler, sondern empfindlicher. Ein gezieltes Gewöhnungstraining kann hier mehr helfen als strikte Vermeidung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Stressbewältigung — einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf den Migräneverlauf. Abschließend ziehen wir gemeinsam Bilanz und erarbeiten eine Rückfallprophylaxe: Was tust Du, wenn die Attacken häufiger werden? Was hat Dir geholfen, und wie hältst Du das aufrecht?

Für wen ist das geeignet?

Das Programm richtet sich an Erwachsene mit episodischer oder chronischer Migräne, die ihren Umgang mit der Erkrankung verbessern, Attacken reduzieren und mehr Kontrolle über ihren Alltag zurückgewinnen möchten. Es setzt keine Vorerfahrung mit Psychotherapie voraus. Auch wenn Du grundsätzlich skeptisch bist, ob Psychotherapie bei einer neurologischen Erkrankung helfen kann — genau diese Frage besprechen wir im Erstgespräch.



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